Chronik

Kaum aus dem Kriege nach Klinkum heimgekehrt, kamen Ende des Jahres 1918 der Schustermeister Josef Küppers und der Schmiedemeister Wilhelm Eickels überein, ein Trommler- und Pfeiferkorps zu gründen. Durch einen handgeschriebenen Zettel, den sie an einem Baum anbrachten, luden sie Interessenten zu einer Besprechung in die Gaststätte Heinrichs, der Vorläuferin des Vereinslokals Jakobs ein. Diese Versammlung, an der außer den vorgenannten Initiatoren noch Heinrich Eickels, Peter Hastenrath, Josef Heinrichs, Wilhelm Heinrichs, Gerhard Jakobs, Josef Jakobs, Leonhard Jakobs, August Maßen und Anton Schrötgens teilnahmen, führte dann zur Gründung des Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum.

Schon zu Beginn des Jahres 1919 trafen die Gründer zu ersten Proben zusammen, die in der alten Schmiede der Familie Eickels stattfanden. Die Trommler (Peter Hastenrath, Josef Heinrichs, Wilhelm Heinrichs und August Maßen), die zunächst – wie im Übrigen noch heute – auf einem Holztisch ihre ersten Schläge übten, wurden von Josef Küppers und Wilhelm Eickels angeleitet. Die Pfeifer (Heinrich Eickels, Josef Jakobs, Leonhard Jakobs und Anton Schrötgens) fanden ihren ersten Lehrmeister in Gerhard Jakobs, der im 1. Weltkrieg als aktiver Hornist Dienst getan hatte. Zu der durchschossenen Trommel, die Wilhelm Eickels aus dem Russlandfeldzug mitgebracht hatte und die zunächst das einzige Instrument des Korps war, wurden bald weitere Trommeln und Flöten angeschafft. Doch schon zu Beginn der zwanziger Jahre fand man in der Gaststätte Heinrichs das Vereinslokal, dem man bis zu seiner Schließung treu geblieben ist. Im Jahre 1922 erhielt das Korps die erste Uniform. Sie bestand aus feldgrauen Militärröcken, die grün umgefärbt worden waren.

Die durch ständiges Üben erworbenen Fähigkeiten erlaubten es dem jungen Verein, schon in den ersten Nachkriegsjahren zu den Schützenfesten in Klinkum aufzuspielen. Allerdings geschah dies zunächst unter Zuhilfenahme eines auswärtigen Tambourmajors, da das Korps in Klinkum einen solchen noch nicht herangebildet hatte. Doch bereits im Jahre 1923 unternahm es Wilhelm Eickels, den Tambourstab in seine Hände zu nehmen und ihn bis zum Jahre 1961 in einzigartiger Weise zu führen.
Der durch Neuaufnahmen auf insgesamt 16 Mitglieder angewachsene Verein nahm im Jahre 1925 erstmalig an einem Wettstreit, der in Arsbeck veranstaltet wurde, teil. Schon dieses erste Auftreten brachte dem Korps einen Erfolg: der Pfeifer Gerhard Jakobs errang als Hornist einen der ausgesetzten Preise. In der Folgezeit mehrten sich die Erfolge des Vereins. Die Teilnahme an zahlreichen Treffen führte dazu, dass sich die Orden an der Brust häuften. In jener Zeit erwarb sich das Korps auch den Ruf, der ihm noch heute anhaftet: die besondere Fertigkeit und Exaktheit im Parademarsch. Gelang es dem Verein doch, im Jahre 1927 in Ophoven unter 27 teilnehmenden Vereinen den Ehrenpreis in dieser Sparte zu erringen.

Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum im Jahr 1928

Neben der Teilnahme an Wettstreiten war die dem Verein vornehmlich obliegende Aufgabe, zu den Schützenfesten der St.-Hubertus-Bruderschaft in Klinkum aufzuspielen. Die stets guten Beziehungen der Klinkumer zum Nachbardorf Tüschenbroich brachten es mit sich, dass das Trommler- und Pfeiferkorps seit Ende der zwanziger Jahre ständig auch zu den Veranstaltungen der dortigen Schützenbruderschaft herangezogen wurde
In den Jahren des Krieges 1939 bis 1945 und auch in den ersten Nachkriegsjah¬ren kam die Vereinstätigkeit zum Erliegen, da einmal Schützenfeste nicht mehr stattfanden und zum anderen die meisten Korpsangehörigen zum Kriegsdienst eingezogen waren.

Im Sommer des Jahres 1947 trafen sich auf Initiative des Tambourmajors Wilhelm Eickels die aus dem Kriege zurückgekehrten Mitglieder, um den Verein zu neuem Leben zu erwecken.
Junge Burschen fanden den Weg in das Korps. Im selben Jahr fand in Klinkum die erste Nachkriegskirmes unter dem Schützenkönig Hans Giermanns statt. Rasch wuchs der Verein auf über 20 Mitglieder an. Einen Höhepunkt in der Geschichte des Vereins stellte der im Jahre 1954 in Klinkum veranstaltete Trommler- und Solistenwettstreit dar, an dem 14 Vereine aus dem Aus- und Inland teilnahmen. Im Jahre 1961 legte der altverdiente Tambourmajor Wilhelm Eickels im Alter von 75 Jahren den Tambourstab und die Führung des Korps in die Hände seines Stellvertreters Matthias Cohnen. Dem Verein blieb er jedoch weiterhin treu und unterstützte ihn mit Rat und Tat.
Auch unter der neuen Führung von Matthias Cohnen fuhr das Trommler- und Pfeiferkorps in seiner Arbeit fort.
Erwähnt sei an dieser Stelle, dass im Jahre 1964 auch die Schützenbruderschaft aus Gerderhahn das Klinkumer Korps zum Aufspiel bei den Kirmessen heranzog.

Im Jahre 1968 feierte das Korps – ein Jahr zu früh – das Goldjubiläum. Man wollte wegen der freundschaftlichen Verbundenheit zwischen den dörflichen Vereinen die Jubiläumsfeierlichkeiten der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft und des SV Klinkum 1919 e. V., die 1969 stattfanden, nicht behindern und hielt das vorverlegte Jubiläum auch schon deshalb für gerechtfertigt, weil sich ja die Gründungsmitglieder des Korps schon 1918 erstmalig getroffen hatten.

Am 8. Dezember 1968 starb Alt-Korpsführer Wilhelm Eickels. – Ehre seinem Andenken! –
Andreas Peters übernahm 1972 von Mathias Cohnen den Tambourstab, als dieser das Amt des Korpsführers aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste.
1972 war überhaupt ein wichtiges Jahr in der Vereinsgeschichte. In diesem Jahr wurde zum ersten Mal ein Vorstand gewählt, bestehend aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, einem Schriftführer, einem Kassierer und drei Beisitzern. Bis dato galt zwar der Korpsführer als Erster unter Gleichen, aber alle Entscheidungen wurden ausschließlich durch Abstimmung mittels Mehrheitsentscheid getroffen. Diese Regelung hält man auch heute noch durch, nur liegen jetzt Vorbereitungsfunktionen beim Vorstand, und die Leitung des Vereins ging vom Korpsführer auf den Vorsitzenden über. 1972 wurde Andreas Peters zum Vorsitzenden gewählt. Schließlich wurde 1972 der Vertrag zwischen der Schützenbruderschaft von Mönchengladbach-Eicken und dem Klinkumer Korps geschlossen, wonach das Korps verpflichtet wurde, bei den Prunkfestlichkeiten der Eickener Bruderschaft aufzuspielen.
Nachdem im Jahre 1974 neue Instrumente, Trommeln und Flöten, angeschafft worden waren, stattete sich das Korps in den Jahren von 1975 bis 1977 komplett mit neuen Uniformen aus.
1976 wurde Manfred Müchen zum Stellvertreter des Korpsführers gewählt. Seit
1977 hat es sich das Korps zur schönen Regel gemacht, den Kindern des 1975 neuerbauten Klinkumer Kindergartens beim St.-Martins-Zug aufzuspielen.

Das 60jährige Bestehen wurde natürlich gebührend gefeiert. Im Mittelpunkt der Festveranstaltungen stand ein Festzug mit rund 1000 Teilnehmern. Während des Festbanketts wurden Matthias Cohnen und Andreas Peters mit der Landesplakette des Deutschen Volksmusikerbundes ausgezeichnet.

Während der folgenden Jahre wurde die Ausbildung neuer, meist jugendlicher Mitglieder mit Noten- und Instrumentenschulung weiter forciert. Im Jahr 1981 übernahm Manfred Müchen den Vorsitz des Vereins. Dieses Amt hatte Hans-Willi Backhaus zuvor fünf Jahre bekleidet. Zum ersten Ehrenmitglied des Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum wurde anlässlich seiner 50jährigen Mitgliedschaft der langjährige Stabführer Matthias Cohnen im Jahr 1982 ernannt.
1983 waren die Spielleute Ausrichter eines Sommerfestes auf dem Klinkumer Schulhof.

Ein Höhepunkt in der 75jährigen Vereinsgeschichte dürfte wohl das Aufspielen beim Bundesfest des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Aachen sein. Gemeinsam mit dem Musikverein Klinkum führte man den 50 000 Teilnehmer starken Festzug durch die alte Kaiserstadt an. Die Parade nahm unter anderen auch der Tüschenbroicher Bundeskönig Hans Josef Wackers ab.
Ein markantes Datum in der Vereinsgeschichte dürfte auch der 20. Dezember 1985 sein. Nach mehr als 60 Jahren war dies der letzte Probentermin in der Gaststätte „Zum Dorfkrug“.
Die neue Wirkungsstätte für den Probenbetrieb wurde dann das Klinkumer Pfarrheim, das 1984 mit der tatkräftigen Hilfe vieler Klinkumer fertiggestellt wurde.

Mittlerweile 33 aktive Mitglieder spielten erstmalig bei der Beecker Prunkkirmes, am Pfingstmontag 1986, auf. Es sollte neben der Klinkumer und Tüschenbroicher Kirmes eine feste Einrichtung im Terminkalender des Vereins werden. Das 70jährige Bestehen des Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum wurde mit der Ausrichtung eines Sommerfestes, auf dem Klinkumer Schulhof, begangen. Mittelpunkt neben musikalischen Darbietungen befreundeter Spielmannszüge und Musikvereine war ein Malwettbewerb der Klinkumer Grundschüler. Im gleichen Jahr, also 1989, spielte man unter anderem auch einen Großen Zapfenstreich in Übach-Palenberg. Bei der Generalversammlung 1990 wurde Manfred Müchen nach zehnjähriger Amtszeit als Vorsitzender von Georg Gellissen abgelöst.
Auch in den folgenden Jahren wurden neben den Auftritten in Klinkum zahlreiche Verpflichtungen auswärts angenommen. Besonders im Mönchengladbacher Raum sieht man sehr oft das Korps aus Klinkum. Hier bewundert man ganz besonders die Exaktheit bei der Parade.

Im Jahr 1993 verstarben Wilhelm Heinrichs, der letzte Gründer des Vereins, und das Ehrenmitglied Matthias Cohnen.
Die nunmehr 24 aktiven Mitglieder des Vereins konnten bei der Tüschenbroicher Pfingstkirmes erstmalig ihre neuen Uniformen präsentieren. Es war ein sehr erfreulicher Auftakt ihres Jubiläumsjahres 1994.